Team-Training in der Notaufnahme aus gegebenem Anlass: Künftig arbeiten mehr Assistenzärzte dort.

Teambuilding in der Notaufnahme: Mit verbundenen Augen und gemeinsam mit Kollegen ein Puzzler zu legen, ist eine der Übungen, die die Zusammenarbeit verbessern.

Gar nicht so einfach: mit verbundenen Augen gemeinsam mit Kollegen ein Puzzle legen. „Manchmal ähnelt unsere Arbeit dieser Übung schon sehr“, sagt Florian Knorr, Ärztlicher Leiter der Notaufnahme am Klinikum Bayreuth. Dann zum Beispiel, wenn ein mehrfach verletzter Patient im Schockraum ankommt. Wenn nicht alle Informationen vorliegen und trotzdem schnell gehandelt werden muss. Das Blind-Puzzeln ist eine von vielen Übungen, die zum Trainingsprogramm Crew Ressource Management gehören, das zum ersten Mal für die Assistenzärzte, die in der Notaufnahme eingesetzt werden, stattgefunden hat. Aus gegebenem Anlass.

Warum Fehler passieren

Knorr geht es vor allem ums Team. Um die Art, wie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Probleme anpacken. Wie sie in schwierigen Situationen miteinander kommunizieren. Denn: „70 Prozent der Fehler, die in einer Notaufnahme passieren, sind nicht auf mangelndes Wissen oder fehlende Erfahrung zurückzuführen“, sagt der Notfallmediziner. Sie sind die Folge schiefgegangener Kommunikation und Interaktion. Das nimmt das Team der Notaufnahme am Klinikum nicht einfach so hin. „Alles, was bei dieser Veranstaltung gesprochen wird, bleibt im Team. Die Kolleginnen und Kollegen öffnen sich. So entsteht Verständnis, Vertrauen und eine bessere Zusammenarbeit.“

Mehr Ärzte, mehr Qualität

Dass der Ärztliche Leiter gerade jetzt das Team-Training angesetzt hatte, hat einen Grund. Ab Mai startet die Notaufnahme des Klinikums mit einem eigenen Schichtdienst für den Bereich der Assistenzärzte.  Ein halbes Dutzend Assistenzärzte werden dann für sechs bis zwölf Monate auf der Notaufnahme arbeiten. „Wir werden damit eine 1-2-1 Besetzung umsetzen können“, sagt Florian Knorr. Ein Assistenzarzt in der Frühschicht, zwei in der Spätschicht und einen während der Nacht. „Mit diesem neuen Modell wollen wir die Ausbildung der Assistenzärzte verbessern, mehr Kontinuität auf der Notaufnahme schaffen und selbstverständlich die Behandlungsqualität für unsere Patientinnen und Patienten nochmals steigern“, sagt Knorr. „Erreichen werden wir das, wenn die Teamleistung stimmt, wenn wir uns gemeinsamen Werten verpflichtet fühlen und wenn wir uns gemeinsame Ziele setzen.“

Wissen, wie der Kollege tickt

Neun Assistenzärztinnen und Assistenzärzte haben an dem Training teilgenommen. Einer von ihnen ist Dr. Antonio Preusche. „Das war ein gutes Wochenende.“ Den fachlichen Teil fand er gut, die Simulationen und medizinischen Trainings, die auch zum Crew Ressource Management gehören. Weil man durch Training besser wird. „Wir Assistenzärzte in der Notbehandlung sind ein frisches Team. Dieses Training hat den Anfang gemacht, um aus Individualisten eine Mannschaft werden zu lassen. Es ist wichtig, dass jeder weiß, wie der andere tickt. Dass man Probleme ansprechen und Kritik formulieren kann.“