Es wird ein Abenteuer. In den kommenden zwei Wochen wird Privatdozent Dr. Jürgen Dolderer, Leiter der Sektion Hand- und plastische Chirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH, ehrenamtlich Patienten in Tansania helfen. Was er dort tut und warum er sich engagiert, berichtet er hier:

Privatdozent Dr. Jürgern Dolderer startet heute. Er unterstützt eine Hilfsaktion der Initiative Interplast in Tansania.

Warum er das macht? Warum geht er nach Afrika und operiert dort ehrenamtlich Patienten? „Weil ich ein Stück von dem Vielen, was das Leben mir gibt, zurückgeben möchte“, sagt Privatdozent Dr. Jürgen Dolderer. Der Leiter der Sektion Hand- und plastische Chirurgie an der Klinikum Bayreuth GmbH macht sich auf den Weg nach Tansania. In den kommenden zwei Wochen arbeitet er dort für die Hilfsorganisation Interplast Germany. Die Mitglieder von Interplast führen unentgeltlich plastisch-chirurgische Operationen in Entwicklungsländern durch.

Patienten ein neues Leben ermöglichen

Zwischen 120 und 140 Euro braucht es, um einem Menschen in Afrika ein neues Leben zu geben. Das sind die reinen Materialkosten für eine plastische Operation, wie sie Dolderer in den nächsten Tagen immer wieder durchführen wird. Mehr nicht, denn er und die elf anderen OP-Pflegekräfte, Anästhesisten und plastische Chirurgen, die sich jetzt auf die Reise in die tansanischen Hafenstadt Tanga machen, arbeiten unentgeltlich. Es ist Dolderers zehnter ehrenamtlicher Einsatz für Interplast in Entwicklungsländern, mehrmals schon unterstützte er die Arbeit als stellvertretender Leiter der Interplast-Sektion Baden-Baden-Rastatt in Afrika. Er sagt: „Ich bin sehr gerne in Afrika.“ Er sagt aber auch: „Wer von der Norm abweicht, wer äußerlich durch Tumore, angeborenen Fehlbildungen und Verbrennungsfolgen sehr entstellt ist, wer nicht funktioniert, hat in Afrika einen sehr geringen Stellenwert und fast keine soziale Chance.“ Für Patienten sind Operationen der Interplast-Teams kostenlos. Wert sind sie so viel wie ein neues Leben.

Unterwegs nur mit Handgepäck

Wenn Jürgen Dolderer am heutigen Freitag ins Flugzeug steigt, hat er nur Handgepäck dabei. Operationsmaterial, das die beiden Teams mit nach Tanga nehmen, ist wichtiger. 380 Kilogramm – genug für etwa 120 Operationen im Bombo Regional Hospital in Tanga. Fast zehnmal so viele Patienten werden sich vorstellen. Mit schweren Verbrennung, die sie akut erlitten haben oder unter deren Folgen sie schon seit langem leiden. Patienten mit chronischen Wunden, Tumoren oder Kontraktionen, die Bewegungseinschränkungen zur Folge haben. Und auch Patienten mit Lippen-, Kiefer oder Gaumenspalten. Allen können die zwölf Helfer, die die aktuelle Interplast-Mission durchführen, in der begrenzten Zeit nicht helfen. Sie werden auswählen müssen. Bei der Auswahl wird besonders darauf geachtet, dass solche Patienten operiert werden, die sich eine Behandlung sonst nicht leisten könnten. Und die Teams um Dolderer werden mit den Bedingungen klar kommen müssen, die sie in dem Krankenhaus in Tanga vorfinden. Bis zu zehn Operationen am Tag stehen für den Bayreuther Mediziner auf dem Programm.

 

INFO: Die Arbeit von Interplast Germany basiert auf freiwilligem unentgeltlichem Engagement der Mitglieder. Die entstehenden Kosten werden durch Spenden sowie den Jahresbeitrag der Mitglieder finanziert. Die Mitglieder führen unentgeltlich plastisch-chirurgische Operationen in Entwicklungsländern durch. Die behandelten Patienten leiden unter Gesichtsfehlbildungen, Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten, Handfehlbildungen, schweren Verbrennungsnarben, Tumoren der Haut und des Kopfes, Defekten durch Unfälle oder Kriegsfolgen und sonstigen Erkrankungen, die in das Fachgebiet der Plastischen Chirurgie fallen. Ziel ist es, die Patienten in die Lage zu versetzen, ein sozial integrierter Teil ihrer Gesellschaft zu werden. Denn leider werden angeborene Fehlbildungen oder Erkrankungen häufig als Strafe für Fehlverhalten durch göttliche Mächte verstanden und die Betroffenen sozial nicht akzeptiert. Unbehandelte Verbrennungsnarben können zu Entstellungen oder erheblichen Funktionseinbußen besonders der Arme und Beine führen. Die betroffenen Patienten sind dann oft nicht in der Lage für Ihre Lieben oder sich selbst zu sorgen.