Es ist Schicksal. Alzheimer lässt sich nicht verhindern. Zumindest noch nicht. Jetzt aber startet eine Studie, an der die Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH teilnimmt und an der sich Menschen mit besonderem Risiko beteiligen können. Das ganz große Ziel: eine Pille gegen Alzheimer. Bevor die Krankheit auftritt.

Die genetische Untersuchung der Studienteilnehmer beginnt mit einem Wangenabstrich. Prof. Dr. Patrick Oschmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie, leitet die Präventionsstudie gegen Alzheimer in Bayreuth.

Demenz ist eine Volkskrankheit. In Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an der Erkrankung, die das Leben ebenso schleichend wie grundlegend verändert. Tendenz: steigend: „Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Betroffenen leidet an der Demenz-Form Alzheimer“, sagt Prof. Dr. Patrick Oschmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie an der Klinikum Bayreuth GmbH. Derzeit laufen bereits klinische Studien mit Medikamenten, die die Ablagerung von Amyloid-Eiweiß im Gehirn verringern sollen. Forscher und Mediziner halten Amyloid für die Ursache von Demenz. Studien also, um Alzheimer zu behandeln.

Rate der Neuerkrankungen senken

Das aber ist nur der eine Ansatz im Kampf gegen das langsame Vergessen. Der zweite: „Wir wollen Alzheimer an der Ursache anpacken. Wir wollen die Rate der Neuerkrankungen senken und bei Hochrisikogruppen ansetzen“, sagt Oschmann. Novartis ist ein Hersteller, der ein Medikament entwickelt hat, das Anlass zur Hoffnung gibt. Bisherige Studienphasen haben gezeigt, dass das Medikament den Amyloidspiegel im Nervenwasser um 90 Prozent senkt. Damit, so erwarten die Experten, werden auch die Ablagerungen im Gehirn deutlich geringer. Alzheimer wäre also präventiv behandelbar.

Studienteilnehmer gesucht

Ob das so ist, wollen Forscher und Ärzte wie Patrick Oschmann und sein Team jetzt herausfinden. Der geradeste Weg dorthin führt über Menschen, die nicht an Alzheimer erkrankt sind, wohl aber ein erhöhtes Risiko haben. „Wir suchen kognitiv gesunde Personen im Alter zwischen 60 und 75 Jahren, in deren Familie bereits Fälle von Alzheimer aufgetreten sind.“ Sie werden genetisch untersucht. Tragen beide Chromsomen ein bestimmtes Gen, gehören diese Menschen zu einer Risikogruppe. „Für sie liegt die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, bei 30 bis 55 Prozent“, sagt Oschmann. „Das heißt. Mindestens jeder zweite oder dritte von ihnen wird bis zu einem Alter von 85 Jahren erkranken.“

Eine Pille am Tag

Gerade für diese Menschen könnte eine Vorbeugung sinnvoll sein. Ob sie sich an der jetzt auch in Bayreuth anlaufenden Studie beteiligen wollen, „ist eine persönliche Abwägung“, sagt der Chefarzt. Das Medikament – eine Pille am Tag – haben bislang mehrere hundert Menschen in Studien bekommen. Bis auf Hautreaktionen hat es bisher keine eindeutigen Nebenwirkungen gegeben. Komplett ausgetestet ist es allerdings noch nicht. Die andere Seite der Medaille: Sollte die Studie positiv verlaufen, könnte das Medikament allerfrühestens in neun Jahren zugelassen und auf dem Markt sein.

Neun Jahre früher

Oschmann: „Wer jetzt an der Studie teilnimmt, bekommt das Medikament also mindestens neun Jahre früher.Während der Studie, die mindestens fünf und maximal acht Jahre dauern wird, werden die Teilnehmer an der Klinik für Neurologie regelmäßig und intensiv betreut. Im ersten Jahr stehen neun Termine auf dem Plan. In den Folgejahren besuchen die Studienteilnehmer die Klinik im vierteljährlichen Turnus.  „Wir wollen die Erkrankung behandeln, bevor es überhaupt auftritt“, sagt Oschmann. Es wäre ein Durchbruch. Denn dann wäre Alzheimer zu verhindern.

Info: Weitere Informationen bekommen Interessenten im Studienzentrum der Klinik für Neurologie unter der Telefonnummer 0921/4003441.