Dominik Herrmann und Christian Drummer stellen ein neuartiges Vorlaufrad für Rollstühle her. Das ist jetzt an der Hohen Warte verfügbar - dank der Unterstützung des Freundeskreises der Klinikum Bayreuth GmbH.

Christian Drummer (mitte) und Dominik Herrmann (rechts) haben das neue Vorlaufrad entwickelt. Freudneskreis-Vorsitzende Lissi Weigel übergab es jetzt dem Team der Klinik Hohe Warte.

Es sind nur ein paar Handgriffe, es dauert nur ein paar Sekunden. Dominik Herrmann montiert das Vorlaufrad an seinem Rollstuhl. Ein paar Schrauben, ein paar Gurte – das war’s. Was so einfach aussieht und so schnell gemacht ist, hat viel Mühe gekostet. Gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Christian Drummer hat Herrmann Monate lang an diesem Vorlaufrad getüftelt. Heraus kam ein Produkt, das Menschen im Rollstuhl das Leben sehr viel leichter machen kann.

Ein halbes Jahr lang war Dominik Herrmann Patient in der Klinik Hohe Warte. Die Experten für Patienten mit Querschnittlähmung bereiteten den jungen Mann aus der Fränkischen Schweiz auf das Leben nach der Klinik vor. Was sie ihm nicht geben konnten: einen Rollstuhl, der auch in schwierigen Situationen, auf schlechten Wegen einfach und gut beherrschbar ist.

Mühsam und suboptimal

Auf dem Weg von Zuhause in den Nachbarort wurde es Dominik Herrmann bewusst. „Es ist nur ein kurzes Stück, aber der Weg ist nicht eben, sondern fällt auf einer Seite etwas ab.“ Das heißt für Rollstuhlfahrer: mit einer Hand, an einer Seite anschieben. Mit der anderen Hand auf der anderen Seite bremsen, um die Spur zu halten. Mühsam. Suboptimal.

Ein Kinderfahrrad gibt den Anstoß

Ein Kinderfahrrad musste herhalten. Herrmann, der von Beruf Mechatroniker ist, und der Maschinenbaustudent Christian Drummer dachten nach und bastelten, flexten und schweißten. Am Ende hatten sie ein zwölf Zoll großes Vorlaufrad entwickelt. Entstanden aus dem vorderen Reifen eines Kinderfahrrads. Mit Montagevorrichtung am Rollstuhl nicht mehr als 4,5 Kilo schwer und einfach handzuhaben. Damit Menschen im Rollstuhl eigenständig klar kommen.

Ein Gefühl von Spazierengehen

Der Clou daran: „Der Rollstuhl hat einen längeren Radstand und damit eine deutlich höhere Spurstabilität“, sagt Herrmann. Nicht nur unebene und seitlich abfallende Wege sind so besser zu bewältigen. Auch an Steigungen und im Wald bewegt sich Herrmann jetzt besser. Nicht mehr an jeder Bordsteinkante muss Herrmann jetzt den Rollstuhl ankippen. Und eine Bremse wie bei einem Fahrrad ersetzt das Bremsen mit den Greifringen an den großen Rädern des Rollstuhls. „Ich habe jetzt viel mehr das Gefühl von Spazierengehen“, sagt Herrmann. „Ich muss nicht mehr die ganze Zeit den Boden abscannen.“

Die Qualität der Therapie steigern

Inzwischen ist aus der Tüftelei für Dominik Herrmann und Christian Drummer ein Business geworden. In Kirchenehrenbach sitzt ihr Firma Vosara – ein Spezialunternehmen für Vorsatzräder für alle gängigen Aktivrollstühle. Der Freundeskreis der Klinikum Bayreuth GmbH hat jetzt für die Sporttherapie an der Hohen Warte ein solches Vorlaufrad finanziert. „Wir möchten damit die Qualität unserer Therapie weiter steigern“, sagt der Leiter der Sporttherapie, Jochen Saborowski. Zur Theapie gehört auch, den Patientinnen und Patienten den Umgang mit dem Rollstuhl nahe zu bringen – und ihnen die möglichst perfekte Ausstattung zu vermitteln. „Jetzt können wir unseren Patienten auch dieses Vorlaufrad zum Training anbieten.“

 

Und auch im Alltag sollen jene, die gut mit dieser Zusatzausstattung für ihren Rollstuhl klar kommen, nicht auf das 1199 Euro teure Vorlaufrad verzichten müssen. Man kann es im Internet bestellen (www.vosara.de) und Kostenübernahme bei der Krankenversicherung beantragen.