Es ist ein Pilotprojekt für Oberfranken, vielleicht sogar für ganz Bayern: Dr. Sabine Gernhardt, Chefärztin der Palliativstation der Klinikum Bayreuth GmbH, stellte Fachbetreuern im Fach Evangelische Religion an oberfränkischen Gymnasien bei einer Lehrerfortbildung im Klinikum jetzt die Kooperation zwischen dem Gymnasium Christian-Ernestinum (GCE) und ihrer Station vor. „Die Reaktionen sind überraschend positiv“, sagt die Chefärztin.

Die Fachbetreuer im Fach Evangelische Religion an oberfränkischen Gymansien trafen sich mit Chefärztin Dr. Sabine Gernhardt zum Gedankenaustausch.

Keine Schülerin und kein Schüler wird gezwungen. Und doch sind alle Elftklässler des GCE dabei, wenn es um dieses schwierige Thema geht. Wenn das Projekt Lebens-Werte startet. Dr. Sabine Gernhardt kommt in die Schule, berichtet von dem, was auf der Palliativstation passiert. Spricht von den schönen Momenten, wenn ein Patient sein gerade geborenes Enkelkind sieht, bevor er in Frieden stirbt. Von den schwierigen Momenten, wenn Angehörige trauern oder den Druck der Entscheidung spüren, wenn es um den weiteren Verlauf einer Behandlung geht. Sie spricht davon, dass so gut wie kein Patient, der das Endstadium einer Erkrankung erreicht hat, Schmerzen haben muss. Sie erzählt vom Raum der Stille auf der Palliativstation, in dem das Team um die Chefärztin einmal im Monat von verstorbenen Patienten Abschied nimmt, sich an sie erinnert, einen Stein oder einen anderen Gegenstand in dessen Gedenken aufbewahrt.

Ein Modell für Oberfranken

Das alles sehen und erleben die Schülerinnen und Schüler bei einem Gegenbesuch auf der Palliativstation. Und das alles sahen und erlebten jetzt die Fachbetreuer für Evangelische Religion bei ihrem Treffen im Klinikum. Die Chefärztin machte den Lehrkräften ausdrücklich Mut: „Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Idee aufnehmen und auch in anderen Städten umsetzen.“ Mit ihren Kolleginnen und Kollegen der anderen Palliativstationen an oberfränkischen Krankenhäusern hat die Chefärtzin bereits gesprochen. Die stehen parat.

Sterben wird zum Randthema

Warum es dieses gemeinsame Projekt von Krankenhaus und Schule braucht? „Nach meiner Beobachtung lösen sich Familienverbände immer mehr auf“, sagt Dr. Sabine Gernhardt. „Auch der Umgang mit dem Sterben wird damit an den Rand gedrängt.“ Deshalb sei es wichtig, gerade mit jungen Menschen über das Sterben ins Gespräch zu kommen.