Auf Dr. Tilman Schulz wartet in den nächsten Wochen eine Menge Arbeit. Der Oberarzt am Institut für Pathologie der Klinikum Bayreuth GmbH arbeitet seit mehr als 25 Jahren über Tumoren der Haut. Nun soll er seine Expertise bei der Aktualisierung der Tumorklassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) einbringen. Die WHO beruft dafür nur die weltweit besten Pathologen. Im Mai schon soll die neue Klassifikation fertig sein.

Auf sie setzt die WHO: Die beiden Pathologen der Klinikum Bayreuth GmbH, Prof. Dr. Michael Vieth (links) und Dr. Tilman Schulz, arbeiten an Tumorklassifikationen mit.

Jede Tumorart hat einen Namen und eine Nummer. Quasi einen Ausweis. Anhand dieser Daten benennen und diagnostizieren Pathologen den jeweiligen Tumor. Ärzte wissen dann sehr genau, wie sie den Tumor zu behandeln haben. Dafür gibt es weltweit einheitliche Richtlinien, die auf medizinischen Studien basieren und den bestmöglichen Behandlungsstandard  beschreiben. „Die Tumorklassifikation hat also einen direkten Einfluss darauf, ob der behandelnde Arzt operiert, eine Chemotherapie empfiehlt oder gar nicht erst zu einer bestimmten Therapie greift, weil sie die falsche wäre“, sagt Prof. Dr. Michael Vieth, Chefarzt und Direktor des Instituts für Pathologie der Klinikum Bayreuth GmbH.

Zwei Bayreuther Experten im Dienst der WHO

Neben Dr. Schulz, dessen Spezialgebiet Tumore der Haut sind, ist Prof. Vieth der zweite Pathologe des Bayreuther Krankenhauses, der die WHO bei der Tumorklassifikation unterstützt. Prof. Vieth bringt bei der Klassifikation von Tumoren des Verdauungstraktes seine Expertise ein. Zwei aus dem selben Haus im Dienste der Weltgesundheitsorganisation  - das gibt es sonst nur an medizinischen Fakultäten von Eliteuniversitäten.

Die Tumorklassifikation ist nie zu Ende

Dass irgendwann einmal alle Tumore benannt, beschrieben und klassifiziert sein könnten, ist ein Trugschluss. Denn der medizinische Fortschritt ist immens. "Wir erleben immer neue Methoden das Genom, also die Erbinformation, die in den Tumoren steckt, immer besser und genauer zu entschlüsseln", sagt Prof. Vieth. So können aus einer einmal klassifizierten Tumorart mehrere werden. Oder es passen Tumorarten zusammen und können gemeinsam klassifiziert werden. Deshalb aktualisiert die WHO die Klassifikation in regelmäßigen Abständen.

Internationales Netzwerk hilft

Dass das Institut an der Klinikum Bayreuth GmbH eine der größten gastroenterologischen Pathologien in Europa ist, ist nur ein Kriterium, warum die WHO auf die beiden Bayreuther Experten zurückgreift. Wichtiger noch ist das wissenschaftliche Renommee des Instituts. Über 450 Publikationen tragen das Zeichen der Klinikum Bayreuth GmbH. Dies ist nicht nur ein erheblicher Imagegewinn. Es ist zugleich ein Erfolgsfaktor. "Wir pflegen auf dieser Basis ein Netzwerk mit Wissenschaftlern und Ärzten fast aus der ganzen Welt", sagt Vieth. Eine Kooperation mit der Gastroenterology Foundation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, junge Ärzte und Pflegekräfte aus Entwicklungs- und Schwellenländern  über Stipendien in Deutschland und anderen westlichen Ländern weiterzubilden, verstärkt zudem die internationalen Kontakte. "In der Folge bekommen wir hier nicht nur Proben aus unserem unmittelbaren Einzugsbereich zur Analyse", sagt Prof. Vieth. "Sie kommen aus ganz Deutschland, ganz Europa und darüber hinaus." Pro Jahr analysiert das Team der Bayreuther Pathologie Gewebeproben von über 100.000 Patienten.