Würden Sie in ein Flugzeug steigen, dessen Pilot nie für den Notfall trainiert hat? „Ich nicht“, sagt Prof. Dr. Jörg Reutershan, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Klinikum Bayreuth GmbH. Weil es auch in einem Krankenhaus zu Situationen kommen kann, in denen professionelles, ruhiges und dennoch schnelles Handeln Leben retten kann, organisiert Reutershan jetzt ein Zwischenfalltraining für Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte des Bayreuther Krankenhauses.

Eine Puppe als Patient: Auch so werden die Teilnehmer des Zwischenfalltrainings für den Notfall üben.

Der Vergleich ist alles andere als weit hergeholt: Airlines haben das Modell des Zwischenfalltrainings entwickelt. In Flugsimulatoren lernen Piloten unter Stress richtig zu reagieren und richtig miteinander zu kommunizieren. Krankenhäuser haben diese Trainings adaptiert. Reutershan sagt: Das Zwischenfalltraining hat zwei Teile. Der eine, der sich auf die Medizin bezieht. Was ist zu tun bei einer akuten Blutung, einer Nachblutung, einer Wiederbelebung oder in einer anderen lebensbedrohlichen Situation? „Das lässt sich lernen oder auch mal aus einem Lehrbuch herauslesen.“ Mindestens genauso wichtig ist der andere Teil – und den kann man nur durch Üben perfektionieren. „Zwischenfälle zu managen, ist immer eine Teamleistung“, sagt Reutershan. „Dazu muss die Kommunikation im Team geordnet verlaufen.“ Ein Beispiel: Einer ist der Team-Leader. Er verteilt die Aufgaben. Klar, deutlich, eine Aufgabe an eine Person. Und diese Person gibt ihm Rückmeldung. Verstanden. Erledigt. So muss das laufen. Und so muss man es üben. „Das ist für das Outcome der Patientenbehandlung entscheidend.“

Die vier Kurse des Zwischenfalltrainings, das am Freitag, 7., und Samstag, 8. April, stattfindet, wenden sich an Ärzte, Hebammen und Pflegekräfte. Am ersten Tag findet das Training auf der Intensivstation 18 statt. Eingeladen sind Ärzte und Oberärzte der Anästhesie und Anästhesie- und Intensivpflegekräfte. Am zweiten Tag findet das Training im Kreißsaal statt, dann können auch Hebammen, Ärzte und Oberärzte der Gynäkologie und der Kinderheilkunde teilnehmen.

 

Ganz hart an der Realität


Sie werden auf realitätsnahe Szenarien treffen. Reutershan, der vor seinem Wechsel an die Klinikum Bayreuth GmbH an der Universitätsklinik in Tübingen tätig war, hat das Tübinger Patientensicherheits- und Simulationszentrum (tüpass) für das Zwischenfalltraining gewonnen, Sponsoren unterstützen die Aktion. Die tüpass-Experten werden an diesen beiden Tagen Simulationspuppen mitbringen, an denen sich der Blutdruck messen lässt, die Pupillenreaktionen zeigen, die sogar sprechen können. Zu dem Tübinger Team gehören auch Schauspieler, die in die Rolle der Patienten schlüpfen. „Am Anfang steht ein theoretischer Teil“, sagt Reutershan. Dann kommt das Szenario, dann handeln die Trainingsteilnehmer. In ihrer Klinik, in ihrem Umfeld – das ist ein Vorteil, wenn es später tatsächlich zu einem Ernstfall kommt. Im Hintergrund beobachten Fachleute von tüpass den Ablauf, eine Videokamera läuft mit. Was funktioniert gut? Was kann man besser machen? Am Ende des Trainings steht eine Manöverkritik. Und das gute Gefühl, unter Stress sicherer helfen zu können.