Bayern schläft schlecht: Zu diesem Ergebnis kommt die Krankenversicherung DAK in ihrem Gesundheitsreport 2017. Die Leiterin des DAK-Servicezentrums, Maria Steinlein, und der Leiter der Serviceregion Oberfranken, Matthias Gabeli, stellten die Studie jetzt gemeinsam mit Dr. Claus Steppert, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Klinikum der Öffentlichkeit vor.

Dr. Claus Steppert, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin, und Maria Steinlein und Matthias Gabeli von der DAK stellten jetzt im Klinikum den Gesundheitsreport 2017 vor.

"Jeder lädt abends sein Handy auf“, sagt Matthias Gabelli. „Aber lädt er über Nacht auch seinen eigenen Akku auf?“ Laut aktuellem DAK-Gesundheitsreport berichten rund 77 Prozent der Erwerbstätigen in Bayern von Schlafproblemen. Seit 2010 stieg der Anteil der von Ein- und Durchschlafproblemen betroffenen 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer um 57 Prozent an. Schwere Schlafstörungen haben sich seit 2010 um 15 Prozent erhöht. Jeder 16. Arbeitnehmer (sieben Prozent) in Bayern leidet unter schweren Schlafstörungen (Insomnien) mit Ein- und Durchschlafstörungen, schlechter Schlafqualität, Tagesmüdigkeit und Erschöpfung.

Dies wirkt sich auch bei den Krankmeldungen aus. Die Fehltage aufgrund von Schlafstörungen stiegen um mehr als das Doppelte auf jetzt 3,38 Tage je 100 Versicherte. Die große Mehrheit der Bayern versucht allein mit den Schlafproblemen zurechtzukommen und geht nicht zum Arzt. Lediglich fünf Prozent der Erwerbstätigen waren im vergangenen Jahr deswegen in den Praxen.

Risiken: Erreichbarkeit und Schichtarbeit

Ursache für Schlafprobleme sind laut der Studie unter anderem die Arbeitsbedingungen. Wer häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, schwere Schlafstörungen zu entwickeln. Auch starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten als  Risikofaktoren.

Zu viel abendliche TV- und Computer-Nutzung

Viele Arbeitnehmer sorgen aber auch selbst für einen schlechten Schlaf. Nach der Studie schauen 83 Prozent der Erwerbstätigen vor dem Einschlafen Filme und Serien, 70 Prozent erledigen abends private Angelegenheiten an Laptop oder Smartphone. Etwa jeder Zehnte kümmert sich noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages.

Nur Sex und Schlafen

Wie man gut schläft? Auch indem, das Bett nur dafür nutzt, wofür es gedacht ist. „Zum Schlafen, für den Sex und sonst nichts“, sagt Dr. Claus Steppert, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Thoraxonkologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin an der Klinikum Bayreuth GmbH. Schlaftabletten seien keine Lösung, sie verschlimmern das Problem eher noch, weil manche von ihnen in der Dosierung gesteigert werden müssen und weil manche abhängig machen. „Lassen Sie den Tag ausklingen, kommen Sie langsam zur Ruhe. Nehmen Sie sich Zeit den Tag und die Probleme, die er vielleicht gebracht hat Revue passieren zu lassen“, rät der Chefarzt.

Wer schlecht schläft und kaum noch über den Tag kommt, dem empfiehlt Dr. Steppert, mögliche organische Ursachen medizinisch abklären zu lassen. Zwischen zehn und 20 Prozent der Kinder mit ADHS leiden an Schlafstörungen – zwei Faktoren, die einander bedingen. Steppert: „Sie kaspern tagsüber herum, um sich wach zu halten. Denn sie sind eigentlich hundemüde.“

Psychische Erkrankungen nehmen stark zu

Der Gesundheitsreport beleuchtet auch den  Krankenstand in Bayreuth und Umgebung. Der  ist 2016 leicht gesunken. Die Ausfalltage nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte ab. Mit 4,1 Prozent gab es in der Region Bayreuth jedoch einen deutlich höheren Krankenstand als im Landesdurchschnitt (3,4 Prozent).Die aktuelle Analyse für Bayreuth und Umgebung zeigt: Rückenschmerzen und Co. verursachten mehr als jeden vierten Ausfalltag und rangierten weiter auf Platz eins. Die Fehltage bei den psychischen Erkrankungen nahmen um 18 Prozent zu. Mit einem Anteil von rund 15 Prozent am gesamten Krankenstand lagen sie auf Platz zwei. An dritter Stelle folgten Atemwegserkrankungen. Die Krankschreibungen lagen indes um 16 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Region blieb von einer Erkältungswelle verschont.