Zwischen neun und zehn Millionen Menschen in Deutschland sind an Diabetes erkrankt. Zwei Millionen von ihnen, wissen es nicht. Denn Diabetes ist zwar eine Volkskrankheit – aber eine, deren Symptome lange im Verborgenen bleiben können. Zum heutigen Weltdiabetestag (14. November) nimmt Privatdozent Dr. Steffen Mühldorfer, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Diabetologie der Klinikum Bayreuth GmbH, Stellung.

Zwei Millionen Menschen in Deutschland wissen nicht, dass sie an Diabetes erkrankt sind, sagt Privatdozent Dr. Steffen Mühldorfer.

Herr Dr. Mühldorfer, die Dunkelziffer ist hoch. Woran erkennen Patienten, dass sie an Diabetes leiden?

PD Dr. Mühldorfer: Wir unterscheiden zwei Diabetes-Typen. Der Typ 1 beginnt hauptsächlich im Kindes- und Jugendalter, der Erwachsenendiabetes setzt später ein. Die Symptome dieser beiden Typen sind unterschiedlich. Bei dem deutlichen häufiger auftretenden Erwachsenendiabetes sind die Symptome manchmal so diskret, dass die Patienten lange nichts bemerken. Bei Kindern wirkt sich der Diabetes sehr viel schneller aus. Sie werden innerhalb kurzer Zeit schwer krank.

Welche Symptome des Erwachsenendiabetes verstecken sich so gut?

PD Dr. Mühldorfer: Das sind häufig eher allgemeine Symptome. Verstärkte Müdigkeit, Schlappheit, Unlust – alles Dinge, die man nicht unbedingt sofort mit Diabetes in Verbindung bringt. Das Hauptmerkmal ist, dass Patienten starken Durst haben und entsprechend häufig zur Toilette müssen. Deswegen gehen die meisten Patienten zum Arzt und bekommen die Diagnose Diabetes.

Wie kann man Diabetes vorbeugen?

PD Dr. Mühldorfer: Übergewicht ist der Hauptrisikofaktor. Also ist es das Wichtigste, auf das eigene Körpergewicht zu achten. Übergewicht vermeidet man durch eine gesunde Ernährung, am besten eignet sich dafür mediterrane Kost. Und natürlich durch Bewegung. Ausdauersport aber auch Muskeltraining helfen dabei, dem Diabetes aktiv vorzubeugen.

Was raten Sie Patienten, die bereits an Diabetes erkrankt sind?

PD Dr. Mühldorfer: Die Gewichtsnormalisierung ist ein wichtiger Faktor. Aber es ist eben auch Tatsache, dass die Anlage zum Altersdiabetes erblich ist. Man kann den Zeitpunkt der Erkrankung hinauszögern, wenn man sein Gewicht stabil hält und sportlich aktiv ist. Wenn ein Patient erkrankt ist, sollten Patienten die Medikamente, die ihnen ihr Arzt verordnet, auch wirklich einnehmen, um mögliche Folgeerkrankungen zu vermeiden.