Schulsanitäter trainierten gemeinsam mit Notfallmedizinern am Klinikum Bayreuth

Bayreuth - Bei Notfällen helfen und Hilfe holen – das weiß jedes Schulkind. Soweit die Theorie aber wie kann man die Realität trainieren? Anlässlich der Woche der Wiederbelebung folgten dazu 36 Jugendliche – Schulsanitäter des Graf-Münster-Gymnasiums, des Richard-Wagner-Gymnasiums und des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums in Bayreuth – einer Einladung in die Notaufnahme am Klinikum Bayreuth. Unter dem Motto „100pro – Ein Leben retten“ initiierte das Team der Notaufnahme gemeinsam mit den Kollegen aus den Kliniken für Kinder und Jugendliche und Anästhesie sowie des BRK Kreisverbandes Bayreuth die Aktionstage für die Schulsanitäter und deren Betreuer.

Das Fazit der Schüler nach einem spannenden und lehrreichen Tag im Klinikum Bayreuth: Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen! Und: Jeder kann helfen – nicht nur Erwachsene, sondern eben auch Schüler! Helfen ist ganz leicht und man kann nichts falsch machen.

30-mal Herz-Druck-Massage, zweimal beatmen

Nach theoretischen Einführungen zur Wiederbelebung mit Demonstrationen traten die Schülerinnen und Schüler selbst in Aktion. In kleinen Gruppen übten sie verschiedene Szenarien: Herzstillstand erkennen, Notruf absetzten und Basismaßnahmen der Wiederbelebung einleiten, das heißt mit der Herz-Druck-Massage beginnen 30-mal im Wechsel mit zweimal Beatmen. Die Notfallmediziner der Klinikum Bayreuth GmbH schufen dafür realitätsnahe Trainingsbedingungen und gaben professionelle Tipps und Kniffe weiter. Neben den leicht zu erlernenden Basismaßnahmen einer Wiederbelebung legten die Mediziner bei den Übungen viel Wert auf die Kommunikation und Koordination unter den Helfern. Im Notfallmanagement sind das wesentliche Erfolgsfaktoren. Mit großer Begeisterung und viel Spaß übten die Schüler insbesondere die Herz-Druck-Massage und lernten dabei, dass sich die Überlebenschance für einen Betroffenen dadurch verdoppeln bis verdreifachen lässt. Denn die Herz-Druck-Massage hält den lebenswichtigen Blutkreislauf in Gang, bis der Rettungsdienst eintrifft. Außerdem trainierten die Schulsanitäter den Einsatz eines Automatischen Externen Defibrillators (AED). Schon heute sind in fast allen Schulen AED installiert. Sie können bei frühzeitigem Einsatz ein Kammerflimmern als Ursache eines Herzkreislaufstillstandes durch einen gezielten Elektroschock beenden.

Die Schulsanitäter erlebten den Stress einer Notfallsituation so einmal spielerisch, um im Ernstfall einen kühleren Kopf bewahren. Damit die Schüler im Anschluss ihren Puls wieder auf ein normales Maß senken konnten, zeigte das Personal ihnen die Notaufnahme und den am Klinikum stationierten Rettungshubschrauber Christoph 20. Außerdem beantworteten die Profis Fragen der Schulsanitäter zu Notfällen im Zusammenhang mit Asthma, Diabetes, Allergien und Verletzungen von den Profis beantwortet.

Hintergrund

Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Doch die Helferquote beim Herzstillstand im internationalen Vergleich ist alarmierend gering.

Auf Initiative des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten in Kooperation mit dem German Resuscitation Council, soll ab der Jahrgangsstufe 7 das Thema „Wiederbelebung bei einem plötzlichen Herzstillstand“ in den Unterricht aufgenommen werden. Der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz befürwortete bereits die Einführung von zwei Unterrichtstunden zu diesem Thema und empfiehlt den Ländern, die Lehrkräfte entsprechend schulen zu lassen. Bei den Aktionstagen „100pro – Ein Leben retten“ standen die Schulsanitäter als Multiplikatoren im Fokus, denn in Untersuchungen zeigte sich: Schüler lernen von Schülern am besten – es ist besonders motivierend und effektiv.