Die Klink für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH, unter der Leitung von Professor Dr. Patrick Oschmann, konnte in diesem Jahr bereits jetzt den 100. Schlaganfallpatienten erfolgreich mit einer systemischen Fibrinolyse behandeln.

Die systemische Fibrinolyse bietet bei der Behandlung eines Schlaganfalls die bestmöglichen Heilungschancen und reduziert Folgeschäden des Schlaganfalls deutlich. Allerdings sollte die Behandlung drei Stunden nach Symptombeginn einsetzen. Das bedeutet, dass Betroffene zügig in eine Stroke Unit, einer Spezialstation für Diagnostik, Behandlung und Überwachung von akuten Schlaganfällen, eingeliefert werden müssen. In diesem Jahr konnten bereits im Herbst 100 Patienten in der Klinik Hohe Warte von der innovativen Therapie profitieren. In den Jahren zuvor wurde diese Zahl erst zum Jahresende erreicht.

Nach Meinung von Dr. Michael Pott, Oberarzt der Bayreuther Stroke Unit, ist dieser positive Trend vor allem auf die intensive Präventionsarbeit und das schnelle Handeln von Angehörigen oder Betroffenen im Notfall zurückzuführen. Zusätzlich trägt die optimale Zusammenarbeit der Rettungsdienste mit der Stroke Unit zu diesem Erfolg bei. „Die Zeit ist bei der Behandlung des Schlaganfalls unser größter Gegner. Je frühzeitiger wir die Fibrinolyse beginnen, desto erfolgreicher ist die Behandlung.", unterstrich Pott. Eine aufgeklärte Bevölkerung und der schnelle Transport in eine Stroke Unit sind ausschlaggebend für steigende Heilungschancen und die Reduzierung von Folgeschäden wie beispielsweise Lähmungen.

Die Fibrinolyse löst das Blutgerinnsel, welches ein Blutgefäß im Gehirn verschließt, auf. Dadurch wird das minder versorgte Hirngebiet wieder mit Blut versorgt. Die 60-minütige Infusion des Lysemedikaments stellt gegenwärtig die einzige zugelassene Therapie des akuten Schlaganfalls dar. Derzeit wird die Lysetherapie in Deutschland im Normalfall nur im Zeitraum von bis zu drei Stunden nach Beginn der Symptomatik in speziell dafür ausgerichteten neurologischen Kliniken durchgeführt. Nach den ersten Anzeichen eines Schlaganfalls, wie beispielsweise kurzzeitige Sehstörungen, Sprach- oder Sprechstörungen, halbseitig auftretende Lähmungserscheinungen sowie Taubheitsgefühle an einer Körperhälfte sowie an Arm, Bein oder Gesicht ist die sofortige Einlieferung in eine Spezialklinik mit Stroke Unit höchstes Gebot. Unabhängig davon, wie lange diese Störungen anhalten, sollten Betroffene oder Angehörige sofort die Notrufnummer 112 anrufen und die Symptome schildern. Nach Einlieferung in die Stroke Unit der Klinik Hohe Warte wird vor Therapiebeginn eine Computertomografie erstellt, um eine eventuell eingetretene Hirnblutung auszuschließen. Die Fibrinolyse kann nur bei einem Blutgerinnsel in der Hirnarterie zur Anwendung kommen.

In Oberfranken trifft jedes Jahr rund 2.500 Menschen der Schlag. Nach Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und Tumorerkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in den Industrieländern. Darüber hinaus stellt der Schlaganfall den wichtigsten Faktor für eine Langzeitbehinderung dar. In Oberfranken leben etwa 10.000 Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls.

Die Klinik für Neurologie in der Klinik Hohe Warte ist ein Zentrum für Schlaganfalltherapien. Es bietet den Betroffenen ein Netzwerk aus allen klinisch relevanten Fachbereichen, unterstützt durch die niedergelassenen Ärzte und eine engagierte Schlaganfallselbsthilfegruppe.