250 Operationen mit dem Da-Vinci-Roboter: Wenn große Eingriffe zur Routine werden
Seit November 2024 unterstützt der Da-Vinci-Operationsroboter die Urologie am Klinikum Bayreuth. Jetzt ist die 250. Operation geschafft. Für Klinikdirektor Prof. Dr. Frank Kunath ist dabei nicht allein die Zahl entscheidend – sondern vor allem, was sich dahinter entwickelt hat.
Vier Arme, feinste Instrumente und eine hochauflösende Sicht auf das Operationsgebiet: Der Da-Vinci-Operationsroboter ist inzwischen fester Bestandteil der Urologie am Klinikum Bayreuth. Seit November 2024 wird das System eingesetzt. Nun wurde der 250. Eingriff durchgeführt. „Die Entwicklung ist sehr gut“, sagt Prof. Dr. Frank Kunath, Direktor der Klinik für Urologie. Noch wichtiger als die reine Zahl der Operationen sei für ihn aber die Qualität: „Unsere Patienten kommen praktisch ohne Komplikationen durch die Eingriffe und profitieren funktionell.“
Schonend operieren – und möglichst viel erhalten
Ein Schwerpunkt liegt auf der operativen Behandlung von Prostatakrebs. Bei geeigneten Patienten kann die roboterassistierte Operation besonders präzise und schonend durchgeführt werden. Dabei versuchen die Urologen, möglichst viele wichtige Strukturen zu erhalten. Dazu gehört insbesondere der Nerverhalt. Dabei wird das Nervengeflecht rund um die Prostata möglichst geschont. Ziel ist es, den Patienten nach der Operation die Chance auf eine möglichst gute Erektionsfähigkeit zu erhalten. Gleichzeitig werden moderne operative Techniken eingesetzt, die eine möglichst schnelle Wiedererlangung der Kontinenz unterstützen.
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist die Schnellschnittkontrolle: Während der Operation werden Gewebeproben entnommen und unmittelbar von der Pathologie untersucht. So kann das Operationsteam noch während des Eingriffs überprüfen, ob die Schnittränder tumorfrei sind. Was zunächst hochkomplex klingt, ist für das Team inzwischen Alltag: „Die großen Eingriffe sind mittlerweile Routineeingriffe.“
Nicht jeder Patient ist automatisch ein Da-Vinci-Patient
Ob eine roboterassistierte Operation infrage kommt, wird individuell entschieden. Alter, Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen spielen ebenso eine Rolle wie frühere Operationen und die Situation im Bauchraum. Besonders profitieren können nach Einschätzung von Prof. Kunath jüngere und körperlich fitte Patienten, die mobil sind und nur wenige relevante Begleiterkrankungen haben.
Die Operation ist zudem nur ein Teil der Behandlung von Prostatakrebs. Am Klinikum Bayreuth stehen deshalb verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Eine enge Zusammenarbeit besteht dabei auch mit der Strahlentherapie.
250 Eingriffe – und längst nicht nur Prostatakrebs
Der Da-Vinci-Roboter kommt in Bayreuth nicht ausschließlich bei Prostatakrebs zum Einsatz. Auch Nierentumoren, Erkrankungen des Harnleiters und des Nierenbeckens sowie komplexere rekonstruktive Eingriffe werden roboterassistiert operiert.
Die 250 Eingriffe bilden deshalb ein breites Spektrum der modernen Urologie ab. Und die Entwicklung geht weiter.
Als nächsten Schritt möchte Prof. Kunath die roboterassistierte Entfernung der Harnblase, die sogenannte Zystektomie, etablieren. Gerade bei Blasenkrebs soll dabei eine moderne Behandlungskette aufgebaut werden – von einer vorgeschalteten medikamentösen Therapie über die Operation bis zur anschließenden Behandlung. Dabei arbeitet die Urologie eng mit der Onkologie um Prof. Dr. Alexander Kiani, dem Leiter der Klinik für Onkologie und des Onkologischen Zentrums am Klinikum Bayreuth, zusammen. Ziel ist ein möglichst umfassendes Angebot moderner urologischer Onkologie am Klinikum Bayreuth.
Der Roboter ist nur so gut wie das Team
Bei aller Technik bleibt für Prof. Kunath ein Punkt besonders wichtig: „Es ist nicht nur der Operateur.“ Damit eine Da-Vinci-Operation funktioniert, müssen viele Beteiligte perfekt zusammenspielen: Anästhesie, Pflege, Medizinische Fachangestellte, OP-Koordination, Reinigung und weitere Mitarbeitende. Gerade wenn mehrere Eingriffe an einem Tag stattfinden, müssen Wechselzeiten, Vorbereitung und Nachbereitung reibungslos funktionieren. „Dazu braucht es ein eingespieltes Team – und das haben wir etabliert“, sagt Kunath.
Auch die Ausbildung des nächsten Operateurs gehört dazu. Oberarzt Dr. Selmon Salihaj wurde von Kunath schrittweise an das System herangeführt und führt inzwischen selbstständig Da-Vinci-Eingriffe durch. Für den Klinikdirektor ist das ein besonderer Moment: „Wenn es dann läuft, als hätte ich operiert, freut mich das sehr.“
Von null auf 250
Die Entwicklung ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Urologie am Klinikum Bayreuth vor Einführung des Da-Vinci-Systems kaum Erfahrung mit laparoskopischen Eingriffen hatte. Heute gehört die roboterassistierte Chirurgie zum etablierten Leistungsspektrum. Auch die Zahl der Prostataoperationen hat sich entwickelt: Nachdem 2019 mit den radikalen Prostatektomien begonnen wurde, liegt die Zahl inzwischen bei rund 80 Eingriffen pro Jahr. Für Prof. Kunath ist das Ausdruck eines Anspruchs, den er mit einem Haus der Maximalversorgung verbindet: „Unter diesem Anspruch sollte man auch gar nicht agieren.“
250 Operationen sind damit nicht das Ende der Entwicklung. Sie markieren vielmehr einen wichtigen Zwischenstand auf dem Weg zu einem immer breiteren Angebot moderner, präziser und möglichst schonender urologischer Chirurgie am Klinikum Bayreuth.
Infobox: Da Vinci kurz erklärt
DA-VINCI-OPERATIONSROBOTER
Was ist das?
Da Vinci ist ein roboterassistiertes Operationssystem. Der Operateur steuert die Instrumente nicht direkt mit den Händen, sondern über eine Steuerkonsole. Die Bewegungen werden hochpräzise auf die feinen Instrumente im Körper übertragen.
Was kann der Roboter?
Die Instrumente lassen sich sehr fein und beweglich führen. Gleichzeitig ermöglicht das System eine stark vergrößerte, dreidimensionale Sicht auf das Operationsgebiet. Das kann insbesondere bei Operationen auf engem Raum Vorteile bieten.
Wer operiert?
Nicht der Roboter entscheidet oder operiert selbstständig. Der Operateur steuert sämtliche Bewegungen. Der Da-Vinci-Roboter ist ein hochentwickeltes Werkzeug, das den Operateur unterstützt.
Welche Eingriffe werden in Bayreuth durchgeführt?
Unter anderem:
• Operationen bei Prostatakrebs
• Eingriffe bei Nierentumoren
• Operationen am Harnleiter und Nierenbecken
• rekonstruktive Eingriffe
• perspektivisch auch die roboterassistierte Entfernung der Harnblase bei Blasenkrebs
Einblicke in die Arbeit mit dem Da-Vinci-Operationsrobotor bekommen Sie in diesem Video.
