Der Schatten im Kopf

Zum Welt-Hirntumor-Tag: Privatdozent Dr. Thomas Reithmeier, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie an der Klinikum Bayreuth GmbH, nennt die Symptome.

Die Statistik sagt: Hirntumore sind eine der seltensten Krebserkrankungen. Und dennoch: 8.000 Menschen erkranken alleine in Deutschland jährlich an einem bösartigen, primären Hirntumor. 8.000 Menschen für die diese Diagnose das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt. Denn: Eine Heilung ist aufgrund der komplexen Biologie dieser Tumoren und ihres infiltrativen Wachstums im Gehirn nicht möglich und eine komplexe Therapie aus Operation, Chemotherapie und Bestrahlung ist zum Erhalt der Lebensqualität und Lebensverlängerung notwendig.  Wir haben mit Privatdozent Dr. Thomas Reithmeier, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie der Klinikum Bayreuth GmbH, anlässlich des Welt-Hirntumor-Tags am 8. Juni über diese seltenen Tumorerkrankungen gesprochen und darüber, wie man sie frühzeitig erkennen kann.
 
Herr Dr. Reithmeier, gibt es Warnsignale, die auf einen Hirntumor hindeuten, und welche sind dies?
PD Dr. Thomas Reithmeier: Je nachdem an welcher Stelle im Gehirn der Tumor sich befindet, kann es zu unterschiedlichen Symptomen kommen. Das können Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen sein. Sie treten meist nicht plötzlich auf, sondern entwickeln sich schleichend. Ein Hirntumor kann aber auch das Wesen des Patienten, seine Persönlichkeit, verändern. Das ist eines der tückischsten Symptome, denn kaum jemand denkt in diesem Zusammenhang zuerst an einen Hirntumor, ebenso wie bei häufig auftretenden drückenden Kopfschmerzen. In jedem Fall sollten bei Erwachsenen aber die Alarmglocken schrillen, wenn plötzlich ein epileptischer Krampfanfall auftritt. Dieser ist in vielen Fällen der erste Hinweis auf einen Hirntumor und sollte immer ernstgenommen und umgehend abgeklärt werden.


Gibt es besondere genetische Dispositionen?
Reithmeier: In der Regel treten Hirntumore sporadisch auf. Es gibt aber auch einige familiäre Tumorsyndrome, in deren Verlauf Hirntumore gehäuft auftreten. Bösartige Hirntumore sind sehr selten mit solchen Syndrom , wie z. B. dem Li Fraumeni Syndrom, vergesellschaftet.  In der Praxis von größerer Bedeutung sind erbliche Tumorsyndrome wie die Neurofibromatose  Typ I und II oder die tuberöse Sklerose. In diesem Zusammenhang treten meist gutartige Tumore des zentralen und peripheren Nervensystems, beispielsweise in Form von Neurofibromen, auf. Insbesondere die Neurofibromatose Typ I zählt zu den häufigsten genetischen Erkrankungen überhaupt.


Tritt ein Hirntumor besonders häufig in einem gewissen Lebensalter auf?
Reithmeier: Es gibt viele biologisch unterschiedliche Hirntumore und sie treten tatsächlich auch in unterschiedlichen Lebensabschnitten gehäuft auf. Der häufigste und zugleich bösartigste Hirntumor, das Glioblastom, tritt bevorzugt im 6. Lebensjahrzehnt auf. Bei Kindern kommen überwiegend prognostisch günstige Tumore, wie das pilozytische Astrozytom  und das Ependymom vor, aber auch das schnell wachsende Medulloblastom. Bemerkenswert ist, dass Hirntumore die zweithäufigste Tumorart im Kindesalter sind. Niedriggradige Astrozytome wiederum treten vor allem im jungen Erwachsenenalter auf.


Auf die Gefahr, dass dies eine dumme Frage ist: Kann man vorbeugen?
Reithmeier: Der einzige gesicherte Risikofaktor ist die Exposition gegenüber ionisierender Strahlung. Man weiß: In den 50er-Jahren wurden bei großen Bevölkerungsgruppen wegen Pilzinfektionen eine niedrig dosierte Bestrahlung der Kopfhaut durchgeführt. Das hat zu einem statistisch signifikant gehäuften Auftreten von sogenannten Meningeomen, das sind in der Regel gutartige Tumore der Hirnhaut, geführt.


Info: Wie geht es nach der Diagnose weiter?
„Der Schatten im Kopf – Was bei der Diagnose eines Hirntumors zu tun ist“
Experten der Klinik für Neurochirurgie der Klinik Hohe Warte beantworten Ihre Fragen im Rahmen einer virtuellen Sprechstunde. Die Sprechstunde findet anlässlich des Welt-Hirntumor-Tages statt. Mit dem Welt-Hirntumor-Tag möchte die Deutsche Hirntumorhilfe …
  für die seltene Erkrankung Hirntumor mehr Aufmerksamkeit schaffen.
  für die schwierige Situation von Hirntumorpatienten sensibilisieren.
  Hirntumorpatienten über ihre Erkrankung und Hilfsangebote informieren.
 
Dienstag, 29. Juni 2021 von 16 bis 18 Uhr
Für weitere Informationen und Anmeldungen verfolgen Sie bitte die Veröffentlichungen der Klinikum Bayreuth GmbH (www.klinikum-bayreuth.de) und auf facebook.  

 

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