Krebs: Reden macht nicht gesund. Aber es hilft.
„Wir begleiten Sie gern ein Stück auf Ihrem persönlichen Weg. So lautet das Angebot des Psychoonkologischen Dienstes. Denn jeder findet seinen eigenen Umgang mit der Diagnose Krebs. Dabei ist der Psychoonkologische Dienst an der Klinikum Bayreuth GmbH für alle erwachsenen Krebspatienten und ihre Angehörigen gleichermaßen da. Und das seit 15 Jahren.
Mit dem Klinikum gewachsen
2006 wurde, angeregt durch Prof. Tulusan und in Kooperation mit der Bayerischen Krebsgesellschaft e. V., der Psychoonkologische Dienst (POD) für das Brustzentrum geschaffen. Seitdem sind der POD und die Krebsbehandlung an der Klinikum Bayreuth GmbH gemeinsam gewachsen: Unter dem Dach des Onkologischen Zentrums gibt es heute fünf Organzentren für Krebspatienten. Für alle ist der Psychoonkologische Dienst zuständig. Er bietet psychologische Unterstützung an, entlastende Gespräche und bei Bedarf auch längerfristige Begleitung. Und zwar in allen Phasen der Erkrankung – von der Diagnostik bis zur Nachsorge.
Der Patient bestimmt
Das Unterstützungsangebot des Psychoonkologischen Dienstes ist freiwillig und kostenlos. „Der Patient bestimmt, ob und wenn ja worüber wir reden“, sagen die beiden Psychoonkologinnen Svenja Buchner und Ulrike Schmeisser, die zum fünfköpfigen Team des POD gehören. Jeder Patient ist individuell. Manch einer reagiert eher gelassen auf die Krebsdiagnose. Für andere ist es hingegen ein Schock. Oft entsteht dann Chaos im Kopf. Am Anfang stehen meist viele Fragen. Was heißt das für mich und meine Angehörigen? Wie geht es weiter? Wem sage ich, dass ich Krebs habe? Und wie? Wie gehe ich mit meiner Angst um?
"Warum soll ich reden? Das macht mich auch nicht gesund."
Damit können Patienten zu den Psychoonkologinnen kommen. Wenn sich Patienten für das Reden entscheiden, und das tut die Mehrheit, finden die Gespräche meist am Bett statt, zum Teil auch im Büro des Psychoonkologischen Dienstes oder am Telefon. Auf Wunsch der Patienten auch mit den Angehörigen. „Manchmal hören wir: „Warum soll ich reden? Das macht mich auch nicht gesund““, erzählt Svenja Buchner. „Unserer Erfahrung nach kann Reden aber sehr wohl einen Unterschied machen. Denn beim Reden entsteht oft Struktur und möglicherweise kommen neue Gedankenanstöße.“
Die eigenen Stärken entdecken
Für viele Patienten ist es einfach wichtig, jemanden zu haben, der sie im Therapieverlauf begleitet und ihnen bei ihren Sorgen und Nöten zuhört. Ein zentrales Thema ist das individuelle Erleben der Krankheit und der Behandlungsablauf, etwa der Umgang mit Nebenwirkungen. Ein weiterer Ansatzpunkt der psychoonkologischen Arbeit ist es, die persönlichen und sozialen Stärken der Patienten gemeinsam zu entdecken, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern können. „Wir helfen den Patienten dabei, Bewältigungsstrategien zu entwickeln“, sagt Ulrike Schmeisser. „Das können auch Entspannungstechniken sein, die zu dem Patienten passen.“
In manchen Fällen unterstützen die Psychoonkologinnen die Patienten auch in der Kommunikation mit dem Partner, der Familie (insbesondere den Kindern) und den Behandlern. Und manchmal beantworten sie auch Fragen oder geben Infomaterial zur Erkrankung und weiteren Anlaufstellen weiter.
Corona macht es nicht leichter
Corona hat die Arbeit des POD erschwert, aber nicht unmöglich gemacht. „Wir können zwar derzeit keine Gruppen anbieten“, sagen Svenja Buchner und Ulrike Schmeisser. „Aber wir nehmen uns Zeit für Einzelgespräche. Oder wir kommunizieren per Telefon, gerade mit den Angehörigen. Das funktioniert durchaus gut.“
INFO: Telefonisch ist der Psychoonkologische Dienst unter der Telefonnummer 0921/400-3830 zu erreichen. Die Mitarbeiterinnen freuen sich über Ihren Anruf oder eine E-Mail an die Adresse psychoonkologie@klinikum-bayreuth.de.
