Dem Schmerz auf der Spur

| Pflege Akutschmerzdienst 

Zehn Jahre liegen zwischen Idee und Umsetzung. Die Klinikum Bayreuth GmbH ist ab 1. September die erste deutsche Projektklinik für eine neue datengestützte Schmerztherapie. Denn einer, der maßgeblich an dem neuen System mitgewirkt hat, ist Mitarbeiter des Bayreuther Krankenhauses der maximalen Versorgungsstufe: Schmerztherapeut Oliver Sablowski.

Mit einem kleinen tragbaren Computer, einem Tablet, werden Sablowski und seine Kolleginnen und Kollegen vom Akutschmerzdienst künftig an den Betten ihrer Patienten stehen. Werden sie anhand  eines genau definierten Katalogs nach ihren Schmerzen fragen. Wo? Wann? Wie lange? In welcher Stärke? Und welche Beschwerden sind damit verbunden? „Die Patientenbefragung ist ein ganz wichtiges Element der Schmerztherapie. Wir haben sie mit dieser neuen Software strukturiert“, sagt der Schmerztherapeut. Nicht nur, dass jetzt keine wichtige Frage mehr ausgelassen werden kann. Übertragungsfehler durch manuelle Aufzeichnungen sind ausgeschlossen. Die Information für Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte wird besser, weil die Daten der Befragung und der Maßnahmen gegen den Schmerz an jedem Computer und zu jeder Zeit angezeigt werden können. Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegekräften Verordnungen datensicher übermittelt. Sablowski: „Damit wächst die Behandlungsqualität und die Sicherheit für den Patienten.“

Raus aus der Passivität

Eines ist Sablowski nicht minder wichtig: Mit der datengestützten Schmerztherapie, die auf einer Software namens painPool Akut basiert, kann der Patient seine bislang eher passive Rolle ablegen. „Wir zeigen in kurzen Videos zum Beispiel, wie Schmerz entsteht und wo Schmerzbahnen verlaufen“, sagt Sablowski. In einer Weiterentwicklung sollen Patienten zudem jederzeit ihr Schmerzempfinden mit Hilfe einer Handy-App in das System eingeben können. Damit wird der Schmerzverlauf noch besser dokumentiert, sind die Therapeuten und Ärzte noch schneller, noch besser informiert. Und: Das System baut eine Brücke zwischen Klinik und dem niedergelassenen Arzt des Patienten. Auch dessen Informationsstand wird besser. „ Angst vor Datenmissbrauch muss niemand haben“, sagt Sablowski. „Die Datensicherheit entspricht dem höchstem Standard.“

Weiteres Interesse

Den jetzigen Stand der painPool Akut-Software stellen Sablowski und die beteiligte Entwicklungsfirma bei der Sylter Anästhesiewoche und beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim vor. Neben der Klinikum Bayreuth GmbH wollen weitere Großkrankenhäuser als Projektklinik das Programm einsetzen. Für Oliver Sablowski ist das eine Bestätigung. Vor zehn Jahren hatte er sich zum Ziel gesetzt, Software für eine mobile Schmerzvisite zu entwickeln und damit eine Alternative zu dem bis dato einzigen solchen Programm zu schaffen. Es ist ihm gelungen.  

 

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