Die Pflege-Oscars 2020 sind vergeben

Wenn es ums Krankenhaus geht, ist der erste Gedanke oft der an Ärztinnen und Ärzte. An Mediziner, die Patienten operieren und behandeln. „Es ist also gut und richtig, dass wir auch die Pflege stärker in den Fokus rücken“, sagte Florian Wiedemann, Landrat und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Klinikum Bayreuth GmbH, bei seiner Ansprache anlässlich der Verleihung des 3. Bayreuther Krankenpflegepreises.

Wiedemann dankte bei einer Corona-konformen Feier in der Krankenpflegeschule den Preisträgern, die von Beschäftigten und Patienten der Klinikum Bayreuth GmbH vorgeschlagen worden waren. „Danke für Ihren großartigen Einsatz. Sie dürfen stolz auf das sein, was Sie täglich leisten.“  Der derzeit stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger, betonte die hohe Identifikation, die Pflegekräfte mit ihrer Aufgabe verbindet. „Es gibt wohl wenige Berufe, in denen der Sinn der Arbeit noch deutlicher wird, als die in der Pflege.“ Der Pflegepreis mache deutlich, auf welch hohem Niveau Pflege an dem Bayreuther Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe stattfinde, sagte Alexander Mohr. „Wir haben es ja schon immer geahnt“, scherzte der Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH. „Aber jetzt haben wir den Beweis.“ Mohr dankte dem gesamten Team der Klinikum Bayreuth GmbH für den besonderen Einsatz in den vergangenen Monaten der Pandemie.

Die Preisträger – Dritte Preise
Stefanie Kurrent und Reinhold Angerer: „Diese Beiden haben hohe pflegewissenschaftliche Expertise“, sagte Laudatorin und Pflegedirektorin Angela Dzyck. „Es ist unerlässliche, solche Mitarbeiter zu haben, um eine stetige Weiterentwicklung in der Pflege zu gewährleisten.“ Stefanie Kurrent (PKMS) und Reinhold Angerer (Bereichsleiter in der Pflegedirektion) beschäftigten sich gemeinsam in wissenschaftlichen Arbeiten mit der Anwendung des Instruments zur Erfassung von Pflegesystemen auf der Palliativstation in der Klinikum Bayreuth GmbH, mit der  Evaluation individueller und institutioneller Möglichkeiten medizinisch-pflegerische Fachfragen in der Pflegepraxis. Sie haben zudem  an drei Pflegeeinrichtungen hinsichtlich Fachfragen, Fachfragenbearbeitung, Fortbildungsverhalten Forschungsarbeit geleistet.

Maria Lemke und Alexandra Schmidt-Tychsen: Beide haben gerade erst ihre Ausbildung zu Gesundheits- und Krankenpflegerinnen an der Bayreuther Fachschule abgeschlossen, die sie mit einem Dualen Studium kombiniert haben. In Facharbeiten, die Teil ihres Studiums sind, haben sie sich mit Fragestellungen aus dem Bereich Intensivmedizin beschäftigt. Inwiefern wird die Schlafqualität von Intensivpatienten durch Ohrenstöpsel verbessert? Und wie wirkt sich der regelmäßige Besuch von Angehörigen auf die Dauer und das Outcome des Delirs bei Patienten auf der Intensivstation aus? Birgit Lauterbach, Bereichsleiterin an den Berufsfachschulen für Krankenpflege und Kinderkrankenpflege Bayreuth, sieht in diesen Themen großes Potenzial für weitere Forschung. Und sie betont, welch positiven Einfluss das Engagement ihrer beiden ehemaligen Schülerinnen hat. „Eure Argumentation steigert das Selbstbewusstsein der Pflegenden.“

Mohammad Alkhlef: Josef Markhof ist Stationsleiter der Station 14. Seit Jahrzehnten im Beruf. Das, was man einen gestandenen Mann nennt. Und er bezeichnet den jungen Mann neben sich, der sein Sohn sein könnte, als „ein Vorbild“. „Mo hat eine bemerkenswerte Geschichte“, sagt Markhof. In seinem Heimatland Syrien hat er eine Pflegeausbildung begonnen. 2015 dann die Flucht gemeinsam mit seinen vier Brüdern. „Sie sind vor dem IS oder der Rekrutierung durch Regierungstruppen geflüchtet“, sagt Markhof. Über die Balkanroute nach Deutschland, nach Bayreuth. Mo hat die einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer gemacht – „und er ist zum Glück auf unsere Station gekommen.“ Aufgeschlossen, freundlich und mit hoher sozialer Kompetenz. So hat der junge Syrer Patienten und Kollegen für sich gewonnen. Es hat geklappt mit der Weiterqualifizierung nach der einjährigen Ausbildung. Mo hatte einen Vertrag an der Berufsfachschule für Krankenpflege in der Tasche. Aber das Leben spielt anders: Mo bleibt bei seinen Brüdern und die haben sich dazu entschlossen, nach Baden-Württemberg zu ziehen. Zum Jahresende wird er gehen.

Kathrin Hümmer: Als 2019 die ausländische Kollegin an die Klinikum Bayreuth GmbH kam, übernahm Kathrin Hümmer Verantwortung. Sprache und Dokumentation, Qualifikation und Sicherheit. Bei all den Hürden, vor denen die neue Kollegin stand, half ihr Katrin Hümmer, die seit 14 Jahren Stationsleiterin der Station 12b ist. So ist sie, ein offener und warmherziger Mensch mit Engagement und Einfühlungsvermögen. Seit 30 Jahren auf „ihrer“ 12b. „Du hast viele junge Menschen in deren Ausbildung geprägt, hast viele Spuren hinterlassen“, sagen Franziska Maidorn und Sebastian Ditschek aus der Pflegedirektion. „Du bist ein Vorbild, mit allem was Du getan hast.“

Michael Voit: Wenn eine bestimmte Art, im OP ein Abdecktuch zu verwenden, den Namen „Voit-Tuch“ hat und zum geflügelten Wort geworden ist, dann ist schon vieles gesagt. Seit 35 Jahren arbeitet Michael Voith im Team der OP-Pflege am Klinikum Bayreuth. „Im Herzstück des Klinikums“, wie Dr. Rupert Schupfner, Leitender Oberarzt und Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, sagt. Michael Voit hat Konzepte erarbeitet und umgesetzt, die die Patientenversorgung noch besser und sicherer gemacht haben. „Es ist an der Zeit, die OP-Pflege zu würdigen. Denn die Arbeit dieser Kolleginnen und Kollegen sehen nur wenige.“ Michael Voit sei dafür ein gutes Beispiel. Schupfner: „Es ist mir eine große Ehre, ihn auszuzeichnen.“

Conny Schulz: Sie hat sich um die praktische Ausbildung von Schülerinnen und Schülern verdient gemacht. Das stimmt, aber es sagt nicht wirklich aus, was Conny Schulz aus dem Pflegeteam der Palliativstation tut. „Ihr ist es wichtig, nicht nur die fachlichen Grundlagen zu vermitteln“, sagt Beate Hoche, Kursleiterin an den Berufsfachschulen für Krankenpflege und Kinderkrankenpflege Bayreuth. „Sie gibt den Schülern sehr viel mit auf den Weg. Zum Beispiel Patienten als Personen mit individuellen Bedürfnissen zu sehen.“ Seit 2016 ist Conny Schulz Praxisanleiterin. Die Schülerinnen und Schüler sind begeistert von ihr. Patienten auch.

Claudia Hohlbach und Detlef Stahl: Zwischendurch kämpft Maria Lautner ein bisschen mit den Tränen. Was sie zu sagen hat, geht ihr nahe. Vier Wochen hat sie während ihrer Ausbildung in der SAPV verbracht, der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung. Hat dort auch Claudia Hohlbach und Detlef Stahl kennengelernt. „Und ich habe in dieser kurzen Zeit so viel gelernt.“ Claudia Hohlbach – authentisch, empathisch, die Gespräche mit Sterbenden und Angehörigen weit besser als in jedem Lehrbuch. Detlef Stahl – einer, der sich binnen Sekunden auf Menschen einstellen kann. Bei dem bei einem Aufnahmegespräch auch mal Metallica im Hintergrund läuft. Weil es dem Patienten gut tut. Der es schafft, mit einem Menschen, der sich aufgegeben hat, gemeinsam zu lachen. „In 20 Jahren möchte ich hier so stehen, wir Ihr heute“, sagt Maria Lautner.

Die Preisträger – der zweite Preis
Das Team der Praxisanleiter der Zentralen Notaufnahme im Klinikum: Bodo Trat arbeitet nicht mehr dort, er ist jetzt stellvertretender Stationsleiter auf der 10. In seiner Zeit in der Notaufnahme hat er mit Sandra Bauer, Anna-Lena Götz, Carina Freiberger und Matthias Marr die praktische Ausbildung der Schülerinnen und Schüler nach vorn gebracht. „Wir haben viel Zeit und Energie reingesteckt“, sagt Bodo Trat. Es hat sich gelohnt.

Die Preisträger – der erste Preis
Das Reanimationstrainingsteam: Lisa Schlicker, Harald Endres, Stefanie Reiss, Michael Zenkel und Karl-Heinz Wirth haben das Reanimationstraining  für die Mitarbeiter des Klinikums in kurzer Zeit neu strukturiert und ausgebaut. Die Termine für das Reanimationstraining sind für das ganze Jahr geplant. Die Anmeldung für die Weiterbildungsmaßnahme erfolgt über die Personalentwicklung im Rahmen der IBF. Die Teilnahme am Reanimationstraining ist eine sogenannte  Pflichtweiterbildung an der alle Mitarbeiter  aus pflegerischen und medizinischen Bereichen einmal im Jahr  teilnehmen müssen. Das Team hat dafür einen extra Raum organisiert. Jeder Mitarbeiter  erhält nach erfolgreicher Teilnahme einen Poket-Guide. Dies ist ein kleines laminiertes Buch für die Kitteltasche, welches die wichtigsten Richtlinien für eine Reanimation enthält. Der Poket-Guide wurde von Reanimationstrainingsteam selbst erarbeitet und erstellt. Neben den Mitarbeitern des Klinikums profitieren auch die Auszubildenden der Pflegeschule der Klinikum Bayreuth GmbH. Das Reanimationstraining findet im Rahmen des Unterrichtes in der Generalistik, der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie in der Krankenpflegehilfe statt. Die Mitglieder des Rea-Traingsteams wechseln sich bei den Kursen ab und die Auszubildenden sind vom Unterricht und Training begeistert.

Info: Der Bayreuther Krankenpflegepreis ist mit insgesamt 6000 Euro dotiert. Er wird von dem Verein Vereint Lernen und Pflegen e. V. und der Klinikum Bayreuth GmbH gemeinsam im Abstand von zwei Jahren vergeben.

 

Drei maskierte Erwachsene bei einer Preisverleihung. Zwei halten Urkunden und Weinflaschen mit Aufschrift 2. Platz und 3. Platz; die dritte Person steht daneben als Gratulantin.

3. Platz: die Preisträger Reinhold Angerer und Stefanie Kurrent mit Pflegedirektorin Angela Dzyck (von links).

Drei Erwachsene mit Schutzmasken stehen nebeneinander und schauen in die Kamera. Im Hintergrund sind Informationsplakate zu sehen. Fokus: gemeinsames Porträt unter Pandemie-Schutzbedingungen.

3. Preis: Die Preisträgerinnen Alexandra Schmidt-Tychsen und Maria Lemke mit Laudatorin Birgit Lauterbach (von links).

Zwei Männer lächeln in die Kamera; der linke hält eine gerahmte Urkunde. Sie stehen nebeneinander in einem Innenraum, vermutlich bei einer Auszeichnung oder Feier.

3. Preis: Preisträger Mohammad Alkhlef mit Laudator Josef Markhof.

Zwei Frauen in einem geteilten Porträt. Links: dunkelhaarig, ohne Brille, schwarzes Oberteil. Rechts: blonde, langhaarige Frau mit Brille, helles Oberteil und grauer Blazer. Beide schauen in die Kamera; Hintergrund mit dezenten Deko-Elementen.

3. Preis: Kathrin Hümmer mit Laudatorin Franziska Maidorn (von links).

Zwei Männer mittleren Alters in Anzügen stehen nebeneinander und blicken in die Kamera. Der linke trägt Brille, graues Haar und hat eine weiße Maske unter dem Kinn. Der rechte trägt Bart und Sakko. Aufnahme in Innenraum.

3. Preis: Michael Voit und Laudator Dr. Rupert Schupfner (von links).

Zweiteilige Aufnahme: Links lächelnde Frau hält eine Urkunde mit „3. Platz“ und Lorbeerkranz. Rechts eine weitere Frau im Porträt mit Dienstausweis. Das Bild vermittelt eine Auszeichnung oder Anerkennung.

3. Preis: Preisträgerin Conny Schulz mit Laudatorin Beate Hoche (von links).

Porträtfoto im Querformat: Drei Erwachsene stehen nebeneinander und blicken in die Kamera. Die linke Frau und der rechte Mann tragen Mund-Nasen-Schutz unter dem Kinn. Die Person rechts hält eine Urkunde. Die Person in der Mitte trägt ein T-Shirt mit Aufdruck.

3. Preis: Claudia Hohlbach und Detlef Stahl mit Laudatorin Maria Lautner (Mitte).

Drei nebeneinander angeordnete Porträts: drei Erwachsene blicken freundlich in die Kamera. Links dunkles Oberteil, Mitte hellblaues Hemd und Brille, rechts schwarzes T‑Shirt und Brille. Neutraler Innenraumhintergrund.

2. Preis: Das Team der Praxisanleiter der Zentralen Notaufnahme im Klinikum. Im Bild stellvertretend für das Team Carina Freiberger und Anna-Lena Götz mit Laudator Bodo Trat (von links).

Eine Gruppe Erwachsener steht mit Abstand im Freien. Mehrere Personen halten Urkunden in den Händen. Es wirkt wie eine kleine Preis- oder Abschlussverleihung, aufgenommen von oben. Alle blicken zur Kamera.

1. Preis: Das Reanimationstrainigsteam am Klinikum. Es gratulierten Alexander Mohr, Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH, Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Landrat Florian Wiedemann (hintere Reihe von rechts).