Gerettet - und unendlich dankbar
Eine akute Aortendissektion brachte Piere Roche an den Rand des Todes. Heute blickt er voller Dankbarkeit auf die Minuten zurück, in den Ärzte und Pflegekräfte der Klinikum Bayreuth GmbH sein Leben retteten.
Eigentlich ist es ein ganz normaler Tag.
Piere Roche kommt nach der Arbeit nach Hause. Der 47-Jährige aus Wasserknoden bei Bad Berneck will sich nur schnell umziehen. Danach soll es wie so oft mit dem Hund hinausgehen. Routine. Doch dazu kommt es nicht. „Mir hat es auf gut Deutsch die Füße weggezogen“, erinnert er sich. Plötzlich wird ihm schwindelig, sein Herz rast. Kurz darauf kommen stechende Rückenschmerzen hinzu. Zunächst denkt er an einen Hexenschuss. Heute weiß er: Es waren Minuten, die über Leben und Tod entscheiden konnten.
Er ruft seine Frau Regine an. Als sie nach Hause kommt, erschrickt sie. Ihr Mann sitzt zusammengesunken da, spricht undeutlich und wirkt, als würde er jeden Moment das Bewusstsein verlieren. „Ich habe damals meine Mutter gepflegt, die Herzprobleme hatte“, erzählt sie. „Deshalb habe ich sofort den Blutdruck gemessen.“ Doch das Gerät zeigt zweimal nur „Error“ an. Erst glaubt sie an einen Messfehler. Tatsächlich ist die Situation so dramatisch, dass kein Blutdruck mehr gemessen werden kann. Piere Roche vermutet einen Herzinfarkt und möchte zum Hausarzt fahren. Seine Frau entscheidet anders und ruft den Rettungsdienst. „Im Nachhinein war das wahrscheinlich die wichtigste Entscheidung überhaupt“, sagt er heute.
Im Klinikum Kulmbach beginnen die ersten Untersuchungen. Zunächst vermuten die Ärzte eine Herzrhythmusstörung. Während einer Ultraschalluntersuchung wird jedoch klar: Es steckt etwas weit Gefährlicheres dahinter. Die Diagnose lautet: akute Aortendissektion. Innerhalb weniger Minuten überschlagen sich die Ereignisse. Während in Kulmbach die ersten Maßnahmen laufen, stellt das Klinikum Bayreuth ein herzchirurgisches Notfallteam zusammen. Noch am selben Abend wird Piere Roche nach Bayreuth verlegt. „Ich hatte da schon längst jedes Zeitgefühl verloren“, erzählt er. Kurz nach Mitternacht beginnt die Operation. Als er wieder aufwacht, ist es halb acht Uhr morgens. Hinter ihm liegen mehr als sieben Stunden Herzchirurgie.
Erst Wochen später wird ihm bewusst, wie knapp er dem Tod entkommen ist. „Während der Reha habe ich angefangen, das alles zu verarbeiten. Da wurde mir klar, dass ich dem Tod mehr als einmal von der Schippe gesprungen bin.“ Besonders beschäftigt ihn bis heute ein Gedanke. „Ich wollte doch eigentlich nur mit dem Hund spazieren gehen. Wenn das zwanzig oder dreißig Minuten später passiert wäre, wäre ich irgendwo im Wald zusammengebrochen.“
Drei Wochen verbringt er auf der Intensivstation. Danach folgen Rehabilitation und viele Monate der Genesung. Noch heute schmerzen Nacken und Schulter. Arbeiten kann er noch nicht, auch seine Leidenschaft, das Motorradfahren, muss warten. „Von hundert auf null ausgebremst zu werden, ist hart.“ Trotz aller Einschränkungen überwiegt etwas anderes: Dankbarkeit. „Die Pflegekräfte auf der Intensivstation waren unglaublich. Und das gesamte Behandlungsteam hat mir das Leben gerettet. Dafür werde ich nie die richtigen Worte finden.“ Auf seinem Krankenbett liegen bis heute zwei kleine Kuscheltiere. Früher waren sie Trostspender. Heute sind sie Glücksbringer.
Prof. Dr. Christian Heim, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Klinikum Bayreuth, weiß, wie dramatisch die Situation war. „Die Aortendissektion gehört zu den größten medizinischen Notfällen überhaupt“, erklärt er. „Dabei reißt die Hauptschlagader ein. Ohne sofortige Operation besteht akute Lebensgefahr.“ In einer aufwendigen Operation ersetzte sein Team den eingerissenen Abschnitt der Hauptschlagader durch eine Gefäßprothese. „Entscheidend ist neben der schnellen Operation die Zeit danach“, sagt Heim. „Vor allem ein gut eingestellter Bluthochdruck verbessert die langfristige Prognose erheblich.“
Genau darauf arbeitet auch Piere Roche hin. Sein Ziel ist klar. „Ich möchte irgendwann wieder auf meinem Motorrad sitzen.“ Nach allem, was geschehen ist, steht dieser Satz für weit mehr als nur ein Hobby. Er steht für die Hoffnung, dass das Leben weitergeht.
