Oberfranken als Impulsgeber in der nuklearmedizinischen Radioligandentherapie

Die Radioligandentherapie bietet großes Potenzial bei der Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakarzinomen – darin waren sich die Expertinnen und Experten bei einem hochkarätig besetzten Symposium auf dem Medizincampus Oberfranken am Klinikum Bayreuth einig. Hintergrund: In Oberfranken liegt die Inzidenz für Prostatakrebs über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig eröffnet diese neue Therapieform auch Perspektiven für weitere Krebsarten.

Zu den Gästen der Veranstaltung zählten unter anderem Thomas Engel, Vizepräsident der Regierung von Oberfranken und stellvertretender Vorsitzender der Oberfrankenstiftung, sowie Florian Wiedemann, Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikum Bayreuth GmbH. Die Oberfrankenstiftung unterstützt u.a. die Anwendung der Radioligandentherapie mit einem innovativen Radionuklid Terbium-161 und die entsprechende Eigenherstellung in regionaler Kooperation im Rahmen eines Förderprojekts.

Nach einer inhaltlichen Einführung in das Förderprojekt durch den Projektleiter Prof. Dr. Stefan Förster, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Klinikum Bayreuth, zeigte Prof. Dr. Markus Hartenbach, Professor für Nuklearmedizin und Geschäftsführer der MINUTE medical GmbH in Wien, dass die Radioligandentherapie in Österreich bereits auch in die ambulante Versorgung integriert wurde. In der Schweiz wird  diese Therapie, wie auch in Deutschland, derzeit ausschließlich stationär angewandt. In Bern kommen zur Identifikation der für diese Therapie am besten geeigneten Patienten neuerdings auch hochmoderne, digitale Ganzkörper-PET/CT-Scanner zum Einsatz, welche für einen Ganzkörper-Scan lediglich noch zwei Minuten Zeit benötigen. Dies erörterte Prof. Dr. Axel Rominger, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Inselspital in Bern, in seinem Vortrag. Prof. Dr. Frank Kunath, Direktor der Klinik für Urologie an der Klinikum Bayreuth GmbH, betonte insbesondere die positiven Effekte für Betroffene: „Bereits jetzt weisen Parameter, allen voran die Lebensqualität der Patienten, darauf hin, dass die Radioligandentherapie hoch wirksam bei gleichzeitig guter Verträglichkeit sein kann.“ Dies konnte innerhalb eines nachfolgenden Interviews mit einem persönlich betroffenen Patienten aus der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Bamberg bestätigt werden.

Welche Chancen die Eigenherstellung von Radioliganden bietet, erläuterte der Projektpartner Prof. Dr. Olaf Prante, Professor für Molekulare Bildgebung und Radiochemie am Department Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Vorteile sehen die Experten unter anderem bei der Versorgungssicherheit, Geschwindigkeit und bei der patientenindividuellen Dosimetrie.

Für weitere Studien und eine breitere Evidenzbasis sprach sich Prof. Dr. Dr. Florian Rosar aus, der erst kürzlich zum neuen Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Erlangen berufen worden ist.

Die Organisatoren des Symposiums um Prof. Dr. Stefan Förster und Dr. Lena Schinner vom Anwendungs- und Forschungszentrum für regionale Gesundheitsversorgung Oberfranken sehen die Veranstaltung als erfolgreichen Auftakt für weitere Initiativen, um der innovativen Terbium-161 Radioligandentherapie zu einer weiteren Verbreitung zu verhelfen.

Dozent steht am Pult mit Laptop und präsentiert Folien. Vor ihm sitzt eine kleine Gruppe Teilnehmender in Reihen eines Hörsaals und hört zu. Schwerpunkt: Vortragender am Rednerpult und aufmerksam zugewandtes Publikum.

Vorträge, Austausch, Diskussion: Mit großem Engagement arbeiteten Expertinnen und Experten am Fortschritt der nuklearmedizinischen Radioligandentherapie.