RSV: die unterschätzte Gefahr in zwei Lebensphasen

Husten, Atemnot, Trinkschwäche – für viele Eltern ist das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ein gefürchteter Begleiter der Wintermonate. Kaum bekannt ist jedoch: Das Virus kann nicht nur Säuglinge, sondern auch ältere Erwachsene schwer treffen.

„RSV ist kein reines Kinderproblem“, sagt Prof. Dr. Patrick Morhart, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche an der Klinikum Bayreuth GmbH. „Gerade bei älteren Menschen und bei chronischen Vorerkrankungen kann es zu schweren Verläufen kommen.“

RSV befällt bei Säuglingen häufig die unteren Atemwege. Die Erkrankung beginnt meist harmlos mit Schnupfen und Husten, kann sich aber rasch verschlechtern. Typisch sind schnelle, angestrengte Atmung, pfeifende Geräusche oder Trinkschwäche. „Besonders gefährdet sind Neugeborene, Frühgeborene und Kinder mit Herz- oder Lungenerkrankungen“, erklärt Prof. Morhart. Jedes Jahr müssen in Deutschland zehntausende Säuglinge wegen RSV stationär behandelt werden – für Familien eine enorme Belastung.

Unterschätztes Risiko im Alter

Bei gesunden Erwachsenen ähnelt RSV oft einer Erkältung. Ab etwa 60 Jahren steigt jedoch das Risiko für schwere Verläufe deutlich. Lungenentzündungen, Verschlechterungen bestehender Erkrankungen und Krankenhausaufenthalte sind möglich.
„Die Krankheitslast von RSV bei älteren Menschen ist vergleichbar mit der der Grippe“, so Morhart. Dennoch steht das Virus bislang weniger im öffentlichen Fokus.

Neuer Schutz für Jung und Alt

Ein Wendepunkt ist die neue Prävention. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2024 erstmals Schutzmaßnahmen für mehrere Altersgruppen.
Allen Neugeborenen und Säuglingen wird in ihrer ersten RSV-Saison ein langwirksamer Antikörper empfohlen. „Das ist keine klassische Impfung, sondern ein passiver Immunschutz, der sofort wirkt“, erläutert Prof. Morhart.

Zusätzlich rät die STIKO Erwachsenen ab 60 Jahren – insbesondere bei chronischen Erkrankungen – zu einer RSV-Impfung. Ziel ist es, schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Entlastung für Familien und Gesundheitssystem

Der neue Schutz bringt mehr Sicherheit für Familien, erhält Selbstständigkeit im Alter und entlastet Kliniken und Pflegeeinrichtungen in der Wintersaison.
„RSV ist kein harmloses Erkältungsvirus“, fasst Prof. Morhart zusammen. „Mit den neuen Empfehlungen haben wir erstmals die Möglichkeit, besonders gefährdete Gruppen gezielt zu schützen.“


Was ist RSV?

Ein weit verbreitetes Atemwegsvirus, das vor allem im Herbst und Winter auftritt.

         Wer ist besonders gefährdet?

  • Säuglinge, vor allem Neugeborene und Frühgeborene
  • Kinder mit Herz- oder Lungenerkrankungen
  • Erwachsene ab 60 Jahren
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsyste

    Typische Symptome

  • Schnupfen, Husten, Fieber
  • Bei Säuglingen: Atemnot, Trinkschwäche, pfeifende Atmung
  • Bei älteren Menschen: Lungenentzündung, Verschlechterung von Grunderkrankungen
     

         Was empfiehlt die STIKO?

  • Einmaliger, langwirksamer Antikörper für Säuglinge in der ersten RSV-Saison
  • RSV-Impfung für Erwachsene ab 60 Jahren, besonders bei Vorerkrankungen
     

         Warum ist Prävention wichtig?

         Sie kann schwere Krankheitsverläufe und Krankenhausaufenthalte deutlich reduzieren.
 

Kleines Kind sitzt in einer Klinik und atmet durch eine Inhalationsmaske (Vernebler). Es trägt einen gelben, bunten Kittel und hält eine Decke. Szene deutet auf Atemtherapie oder Sauerstoffgabe.

Kleinkinder gehören neben Senioren zu den besonders von RSV gefährdeten Gruppen.

Porträt einer lächelnden Person mit kurzbraunem Haar und schmaler Brille. Sie trägt ein weißes Oberteil und einen kleinen Ohrring am linken Ohr. Neutraler, heller Hintergrund; Fokus auf dem freundlichen Gesichtsausdruck.

Prof. Dr. Patrick Morhart ist Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche.