Warum Hitze für ältere Menschen besonders gefährlich ist
Sonnenschein, warme Temperaturen und lange Tage gehören zum Sommer dazu. Doch was für die einen angenehm ist, kann für ältere Menschen schnell zur Gesundheitsgefahr werden. Hitzewellen zählen inzwischen zu den größten klimabedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland. Besonders betroffen sind Menschen über 65 Jahre.
„Hitze ist keine bloße Befindlichkeitsstörung, sondern kann für ältere Menschen lebensbedrohlich werden“, sagt Prof. Dr. Hans Jürgen Heppner, Direktor der Klinik für Geriatrie am Klinikum Bayreuth. „Wir beobachten regelmäßig, dass hohe Temperaturen zu einer deutlichen Verschlechterung bestehender Erkrankungen führen oder sogar akute Notfälle auslösen können.“
Tausende hitzebedingte Todesfälle jedes Jahr
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts und des Umweltbundesamtes sterben in Deutschland jährlich mehrere tausend Menschen infolge extremer Hitzeperioden. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke und Pflegebedürftige. Während der außergewöhnlich heißen Sommer der vergangenen Jahre wurden teils mehr als 8.000 hitzebedingte Todesfälle registriert. Besonders gefährlich wird es wenn sogenannte tropische Nächte auftreten, also die Temperatur in der Nacht nicht unter 20 Grad Celsius fällt.
Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Der menschliche Körper verliert die Fähigkeit, seine Temperatur wirksam zu regulieren. Das Durstgefühl nimmt ab, gleichzeitig sinkt der Wasseranteil im Körper. Viele ältere Menschen trinken deshalb zu wenig – oft ohne es zu bemerken.
„Bereits ein leichter Flüssigkeitsmangel kann erhebliche Folgen haben“, erklärt Heppner. „Schwindel, Verwirrtheit, Kreislaufprobleme oder Stürze können die ersten Anzeichen sein. In schweren Fällen drohen Hitzschlag, Herz-Kreislauf-Versagen oder Nierenversagen.“
Warum Hitze ältere Menschen besonders belastet
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Reaktion des Körpers auf hohe Temperaturen. Die Schweißproduktion nimmt ab, die Blutgefäße reagieren langsamer und die Leistungsfähigkeit von Herz und Kreislauf sinkt. Hinzu kommen häufig Vorerkrankungen wie Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes oder Nierenerkrankungen.
Auch Medikamente können die Hitzeverträglichkeit beeinflussen. Entwässerungsmittel, Blutdrucksenker oder bestimmte Psychopharmaka verändern den Flüssigkeitshaushalt und erschweren die Temperaturregulation.
„Viele ältere Menschen nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Deshalb sollten Hitzetage immer Anlass sein, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin auf mögliche Risiken zu schauen und möglicherweise die Medikamentendosis anzupassen“, so Heppner.
Die wichtigsten Warnzeichen
Angehörige und Betroffene sollten insbesondere auf folgende Symptome achten:
- ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche
- Schwindel und Kopfschmerzen
- Konzentrationsstörungen oder Verwirrtheit
- trockene Haut und trockene Schleimhäute
- Muskelkrämpfe
- Übelkeit
- beschleunigter Puls
- Stürze oder Gangunsicherheit
Treten starke Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder hohes Fieber auf, sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
So schützen sich ältere Menschen vor Hitze
Schon einfache Maßnahmen können das Risiko deutlich senken:
Ausreichend trinken
Ältere Menschen sollten regelmäßig trinken – auch ohne Durstgefühl. Als Orientierung gelten etwa 1,5 bis 2 Liter täglich, sofern keine ärztlichen Gründe dagegensprechen.
Wohnung kühl halten
Fenster sollten möglichst nachts oder in den frühen Morgenstunden geöffnet werden. Tagsüber helfen geschlossene Fenster, Rollläden oder Vorhänge dabei, die Hitze draußen zu halten.
Körperliche Anstrengung vermeiden
Aktivitäten im Freien sollten möglichst auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.
Leichte Kleidung tragen
Helle, luftige Kleidung unterstützt die Wärmeregulation. Auch Kopfbedeckungen sind bei Aufenthalten im Freien wichtig.
Regelmäßige Kontakte pflegen
Alleinlebende ältere Menschen sollten an heißen Tagen regelmäßig besucht oder angerufen werden. Oft bemerken Betroffene selbst nicht, wenn ihr Gesundheitszustand sich verschlechtert.
Gemeinschaftliche Verantwortung
Prof. Dr. Hans-Jürgen Heppner sieht beim Hitzeschutz nicht nur die Betroffenen selbst in der Verantwortung: „Hitze ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Angehörige, Nachbarn, Pflegedienste und medizinische Einrichtungen können viel dazu beitragen, ältere Menschen sicher durch heiße Tage zu begleiten. Oft reicht schon ein kurzer Anruf oder die Erinnerung daran, ausreichend zu trinken.“
Sein Fazit: „Wir können hohe Temperaturen nicht verhindern. Aber wir können verhindern, dass Hitze zur Gefahr wird. Aufmerksamkeit und einfache Vorsorgemaßnahmen retten Leben.“

