Neurochirurgie in Bayreuth setzt auf Exoskop

In der Neurochirurgie entscheidet jeder Millimeter. Präzision, Konzentration und optimale Sichtverhältnisse sind entscheidend für den Erfolg eines Eingriffs. An der Klinikum Bayreuth GmbH kommt dafür jetzt eine neue Technologie zum Einsatz: ein sogenanntes Exoskop.

„Im Grunde ist es eine hochauflösende Kamera, die das klassische Operationsmikroskop ersetzt“, erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Stefan Linsler. Anders als beim herkömmlichen Mikroskop, bei dem Operateur und Assistenz durch ein Okular blicken, wird das Bild beim Exoskop auf große Monitore übertragen – in 3D und gestochen scharf. Das Besondere: Alle im OP-Saal sehen exakt dasselbe.


Das verändert die Zusammenarbeit im Team grundlegend. „Es ist deutlich interaktiver“, sagt Linsler. „Auch die OP-Pflege, die Anästhesie oder Studierende können jeden Schritt genau nachvollziehen.“ Der Eingriff wird damit transparenter – und der Wissenstransfer deutlich verbessert. Doch nicht nur das Team profitiert. Auch für die Operateurinnen und Operateure selbst bringt das Exoskop entscheidende Vorteile. Vor allem die Ergonomie spielt eine große Rolle. Gerade bei komplizierten Eingriffen, etwa bei Tumoren in der hinteren Schädelgrube oder bei tief liegenden Strukturen der Wirbelsäule, sind mit dem Mikroskop oft ungünstige Körperhaltungen notwendig.


„Das Exoskop ist sehr kompakt und flexibel positionierbar“, so Linsler. „Ich kann unabhängig von der Kamera stehen und arbeite deutlich entspannter.“ Diese bessere Haltung wirkt sich direkt auf die Präzision aus – und damit auch auf die Sicherheit der Patientinnen und Patienten. Hinzu kommen technische Möglichkeiten, die über das klassische Mikroskop hinausgehen. Das Bild ist digital, lässt sich vergrößern, bearbeiten und perspektivisch auch mit zusätzlichen Informationen anreichern. „Gerade bei tiefen Operationsfeldern ist die Ausleuchtung und Vergrößerung ein enormer Vorteil“, erklärt Linsler.


Die ersten Eingriffe mit dem neuen System hat das Team bereits erfolgreich durchgeführt – darunter die Operation eines Hirnhauttumors sowie einen komplexen Eingriff an der Wirbelsäule. Weitere Anwendungen folgten unmittelbar. Grundsätzlich lässt sich das Exoskop bei nahezu allen neurochirurgischen Operationen einsetzen: von Tumoren über Gefäßeingriffe bis hin zu Notfalloperationen bei Schädel-Hirn-Traumata.


Auch strategisch ist die Anschaffung ein wichtiger Schritt. In der Region ist das Klinikum Bayreuth derzeit Vorreiter. „Der nächste Standort mit vergleichbarer Technik ist die Uniklinik in Dresden“, sagt Linsler. Darüber hinaus fungiert die Klinik als Referenzzentrum des Herstellers. Fachärztinnen und -ärzte aus dem In- und Ausland können hier künftig im Rahmen von Workshops die Anwendung im klinischen Alltag kennenlernen.


Das Exoskop ist mobil einsetzbar und kann flexibel zwischen Operationssälen bewegt werden. Damit ist es nicht nur technologisch auf dem neuesten Stand, sondern auch optimal in die Abläufe integrierbar. Für Prof. Dr. Linsler ist klar: „Unser Ziel ist es, technisch immer ganz vorne zu sein.“ Mit dem Exoskop ist die Neurochirurgie in Bayreuth diesem Anspruch einen entscheidenden Schritt näher gekommen.
 

Mehr Info: klinikum-bayreuth.de/neurochirurgie

Operationssaal: Ein Chirurg blickt auf einen großen Bildschirm mit Endoskopie-Aufnahme von Gewebe. Mehrere Instrumente arbeiten minimalinvasiv; ein abgedecktes Kamerasystem unterstützt die präzise Führung während des Eingriffs.

Die Kamera des Exoskops (im Bild rechts) und der große Bildschirm ermöglichen einen exakten Blick auf das Operationsfeld.

Porträt eines lächelnden Erwachsenen mit kurzem braunem Haar in weißem Laborkittel und gestreiftem Hemd vor neutralem Hintergrund. Kopf und Schultern sichtbar, freundlicher Blick direkt in die Kamera.

Prof. Dr. Stefan Linsler ist Direktor der Klinik für Neurochirurgie.